Bildungskarenz – Das Österreichische Erfolgsmodell

Zu dem Thema Bildungskarenz haben wir auch ein Interview mit Michael Tölle geführt. Zum Interview

Welche Arten von Weiterbildung sind möglich?

Die Bildungskarenz ist ein Programm, das mit öffentlichen Mitteln Weiterbildung fördert. Es ermöglicht ArbeitnehmerInnen zum Beispiel, Abschlüsse nachzuholen, sich im Bereich Digitalisierung weiterzubilden, Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben oder auszubauen und Erfahrungen in anderen Branchen zu sammeln. Die Bildungs-Auszeit kann zwischen zwei bis maximal zwölf Monaten andauern und entweder am Stück konsumiert werden oder nach und nach, indem man Einheiten auf einen Zeitraum von bis zu vier Jahren verteilt und zwischendrin wieder arbeitet. Eine komplette, dreijährige Berufsausbildung oder ein auf mehrere Jahre angelegtes Präsenzstudium an einer Hochschule lassen sich innerhalb dieses Zeitfenster allerdings eher schwierig umsetzen. Wer lediglich Zeit braucht, um ein Studium zu beenden, das in der Vergangenheit begonnen wurde, kann die Bildungskarenz aber für sich nutzen und zum Beispiel eine Abschlussarbeit schreiben beziehungsweise fertigstellen.

Private Bildungsinstitute, wie das Institut EWI bieten dagegen Fortbildungen an, die sich gut mit einer Bildungskarenz vereinbaren lassen. Da wäre zum Beispiel,

Mann gibt online Unterricht

die Trainerausbildung in der Erwachsenen Bildung mit Deutsch als Fremdsprache (DaF). TeilnehmerInnen erwerben pädagogische und kommunikative Fähigkeiten, um später in der Erwachsenenbildung tätig zu sein. Auch der Ausbildungslehrgang zum/zur Kindergarten- und HortassistentIn empfiehlt sich für Menschen, die zum Beispiel Aufgaben in der Kinderbetreuung übernehmen wollen. Die Lehrgänge können bequem über E-Learning im Home Office absolviert werden.

Auf der entsprechenden Website des AMS heißt es, dass kein Anspruch auf eine Förderung von „Hobby- oder Freizeitkursen“ besteht. Allerdings wird die Sinnhaftigkeit der Fortbildung für den Arbeitsmarkt nicht durch das AMS geprüft. Denn objektive Kriterien dafür, was für individuelle berufliche Laufbahnen sinnvoll ist, sind schwer festzulegen. So kann ein Massage-Kurs für jemanden, der bereits im Gesundheitswesen tätig ist, beispielsweise eine sinnvolle Maßnahme sein. Auch Sprachkurse im Ausland können gefördert werden.

Alles hängt von den ArbeitgeberInnen ab

Letztendlich liegt die Entscheidung, ob eine Bildungskarenz umgesetzt werden kann, im Ermessen der jeweiligen ArbeitgeberInnen. Die ArbeitnehmerInnen müssen daher zunächst die eigenen ChefInnen von ihrem Weiterbildungsvorhaben überzeugen. Denn es besteht kein rechtlicher Anspruch auf eine Auszeit vom Job im Rahmen einer Bildungskarenz. Wenn das Unternehmen eine Weiterbildung nicht für notwendig hält, muss es nicht zustimmen und steht auch nicht in der Pflicht, den Arbeitsplatz in dem gewünschten Zeitraum frei zu halten.

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Es empfiehlt sich daher, den Wunsch nach einer Weiterbildung gut zu begründen. Wer schlüssig und überzeugend argumentieren kann, warum eine Fortbildung sinnvoll ist und warum der Betrieb selbst von den frisch erworbenen Zusatzqualifikationen profitieren wird, erhöht die Chancen auf eine Zustimmung. Das AMS bietet auch Hilfestellung, wenn es darum geht, für den Zeitraum eine Ersatzarbeitskraft zu finden. Außerdem muss die Bildungsmaßnahme außerhalb des Betriebs stattfinden. Für interne Fortbildungen kommt das Modell der Bildungskarenz daher nicht in Frage.

Finanzielle Unterstützung durch das AMS

Sobald mit dem oder der ArbeitgeberIn eine Karenz-Vereinbarung getroffen wurde, kann man sich um eine finanzielle Unterstützung durch das AMS bemühen. Das bewilligt dann gegebenenfalls ein Weiterbildungsgeld. Dieses entspricht in etwa dem Arbeitslosengeld, dass dem oder der jeweiligen ArbeitnehmerIn bei einem Jobverlust zustehen würde. Zusätzlich zur Weiterbildung darf einer geringfügigen Beschäftigung bis zu 450 Euro nachgegangen werden. Ein weiterer Pluspunkt: ArbeitnehmerInnen in Bildungskarenz sind weiter Krankenversichert. Auch Unfall- und Rentenversicherung werden übernommen. Allerdings muss man auf Boni wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten und der Anspruch auf Urlaub wird entsprechen reduziert. Auch ein besonderer Kündigungsschutz, zum Beispiel aus betriebsbedingten Gründen, besteht während der Maßnahmen nicht.

Voraussetzung für das Weiterbildungsgeld und alle anderen Vorteile ist, dass der oder die Beschäftigte mindestens ein halbes Jahr am Stück arbeitslosenversicherungspflichtig beim Unternehmen beschäftigt gewesen ist. In Sonderfällen, zum Beispiel wenn jemand einen nahtlosen Übergang von einer Elternkarenz zu einer Bildungskarenz plant, lohnt es sich das AMS zu kontaktieren und sich von den BeraterInnen genaue Informationen einzuholen.

Finanzielle Unterstützung hilfe für Bildungskarenz

Die BezieherInnen des Weiterbildungsgeldes müssen allerdings nachweisen, dass die Zeit tatsächlich genutzt wurde, um Qualifikationen zu erwerben. Sonst droht eine Einstellung der Zahlung. Im Zweifel müssen Gelder auch zurückgezahlt werden. Durch eine Bestätigung der Bildungseinrichtung, muss nachgewiesen werden, dass eine Schulung von mindestens 20 Stunden pro Woche besucht wurde. Eltern mit Kindern unter sieben Jahren müssen lediglich 16 Wochenstunden nachweisen. Studierende müssen einen Nachweis über mindestens 4-Semester-Wochenstunden erbringen. Das entspricht acht ECTS-Punkten. Erfolgreich abgelegte Studienabschlüsse oder eingereichte Abschlussarbeiten genügen ebenfalls als Nachweis.

Bildungskarenz als sinnvolle Maßnahme zur Bewältigung der Corona-Krise

Das Programm wurde in Österreich im Jahr 1998 von der damaligen Koalition aus SPÖ und ÖVP eingeführt und bietet nun seit über 20 Jahren Menschen die Chance auf eine Auszeit vom Job zum Zweck der Weiterbildung und ermöglicht gegebenenfalls einer beruflichen Neuorientierung. Im Jahr 2019 wurden vom AMS insgesamt 140 Millionen Euro Weiterbildungsgeld ausgezahlt. 10.624 Menschen profitierten davon im Rahmen einer Bildungskarenz, gut 700 Personen mehr als im Vorjahr. Für das Jahr 2020 liegen bereits die Zahlen aus dem ersten Quartal vor. Sie zeigen, dass das Interesse an beruflicher Fortbildung in Österreich weiter steigt. In den Monaten Januar, Februar und März erhielten im Schnitt 12.829 Menschen ein Weiterbildungsgeld, während sie sich in Bildungskarenz befanden.

Gleichzeitig steigt in Österreich krisenbedingt die Zahl der Arbeitslosen. Aktuell liegt sie bei über 400.000. Die Wirtschaftskammer (WKO) rechnet damit, dass im September 490.000 Menschen keinen festen Job haben werden. Weitere 400.000 seien derweil von Kurzarbeit betroffen. Insbesondere ArbeitnehmerInnen in Hotellerie und Gastronomie, im Kunst- und Kulturbetrieb und mit Tätigkeiten in der Veranstaltungsbranche leiden unter der Krise. Gleichzeitig gebe es enormen Stellenbedarf in Bereichen wie der IT, im Handwerk und der Pflege, wie WKO-Präsident Harald Mahrer gegenüber dem Kurier erklärte. Die WKO fordert daher die Regierung und das AMS dazu auf, Qualifizierung an erste Stelle zu stellen und entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Bildungskarenz wurde in dem Zusammenhang von der WKO als ein möglicher Weg angeführt.

Wer nutzt die Bildungskarenz?

In der Vergangenheit haben vor allem Menschen mit Abitur oder einem Hochschulstudium das Programm in Anspruch genommen und profitiert. Auffällig ist auch, dass überwiegend Frauen Zusatzqualifikationen erwerben und dafür ein Weiterbildungsgeld vom AMS erhalten. In 2018 waren gut 67 Prozent der BezieherInnen eines Weiterbildungsgeldes durch das AMS im Rahmen einer Bildungskarenz weiblich. Im Folgejahr waren Frauen mit immerhin rund 64 Prozent weiter in der Mehrheit. Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich bereits im ersten Quartal 2020 ab.

Dabei ist die Bildungskarenz, für Männer ebenso wie für Frauen, insbesondere in Zeiten von Corona ein sinnvolles Instrument, um die eigenen Qualifikationen auszubauen und sich so gegen eine Arbeitslosigkeit zu wappnen. Schließlich gibt es viele Branchen, die händeringend nach Fachkräften suchen. ArbeitnehmerInnen in anderen EU-Ländern können von einem derartigen Modell nicht profitieren. Es empfiehlt sich dafür für ArbeitnehmerInnen in Österreich, von dem einzigartigen Angebot Gebrauch zu machen, gerade jetzt.

Das Institut EWI bietet eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten, die im Rahmen einer Bildungskarenz absolviert werden können. Wir beraten Sie gerne am Telefon und persönlich. Unsere TrainerInnen erreichen Sie fast rund um die Uhr unter 0660/8185033.

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