Die perfekte Video Bewerbung in der Corona Krise

Die Zeiten, in denen Videochats überwiegend von Paaren genutzt wurden, um Fernbeziehungen aufrechtzuerhalten oder von AustauschschülerInnen, um mit der Familie Zuhause in Kontakt zu bleiben, sind längst vorbei. Skype, Zoom und ähnliche Tools sind aus dem Business-Alltag nicht mehr wegzudenken und werden für interne Meetings genauso genutzt wie für Bewerbungsgespräche mit potentiellen neuen MitarbeiterInnen. Die Downloadzahlen seit Beginn der Krise zeigen, dass Dienste für Videotelefonie durch Corona einen echten Boom erleben – für die Nutzung im Privaten und im Job. Allein die Videochat-App Zoom steigerte die Downloadrate im April diesen Jahres um 6000 Prozent im Vergleich zum selben Monat in 2019. 

Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie machten sich einige Unternehmen die technischen Möglichkeiten zunutze, um in Bewerbungsverfahren Zeit und Geld einzusparen. Es kann stark angenommen werden, dass der Trend zu Online-Bewerbungsgesprächen sich fortsetzt, auch über die Gesundheits-Krise hinaus. Schließlich fallen für einen Videochat unter anderem keine Fahrt- und Übernachtungskosten an, die den BewerberInnen erstattet werden müssten. 

Wie Sie im Video-Chat überzeugen

Auch für Jobsuchende bietet eine Einladung zu einem Online-Bewerbungsgespräch einige Vorteile: Man muss sich nur an den eigenen Schreibtisch begeben, spart sich den Stress der Anreise und vermeidet verkehrsbedingte Verspätungen. Viele Menschen fühlen sich in den eigenen Vierwänden wohler als in einer fremden Umgebung und können so mit einem gesteigerten Selbstbewusstsein im Gespräch punkten. 

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Direkter Blickkontakt nicht möglich – Mit Nachteilen und Besonderheiten umgehen

Auf der anderen Seite bringt die Kommunikation im digitalen Raum auch einige Schwierigkeiten mit sich. Diese sollte man sich vorher einmal klar machen, um in der Situation dann besser damit umgehen zu können. Zum einen kann die Tatsache, dass man sich nicht am selben Ort befindet, wie die GesprächspartnerInnen, zu Verunsicherung führen. Denn die BewerberInnen sehen nur einen Ausschnitt und wissen nicht, wer sich noch im Raum befindet und eventuell mithört. 

Außerdem fällt in einem Videochat ein ganz unmittelbarer Faktor weg, der uns in Gesprächen hilft, uns gegenseitig besser einzuschätzen: Der Blickkontakt. Denn während des Chats kann man sein Gegenüber auf dem Bildschirm zwar direkt anschauen, der oder diejenige sieht dann aber nur, dass man nach unten schaut. Blickt man hingegen direkt in die Computerkamera, die sich bei Laptops in der Regel oberhalb des Bildschirms befindet, entsteht beim Gesprächspartner zwar der Eindruck eines echten Blickkontaktes, man selbst starrt aber nur in ein kleines schwarzes Loch und nimmt wichtige Signale aus der Mimik des Gegenüber nicht mehr wahr. Das kann für Menschen, die in ihrem Alltag eher selten per Video mit anderen kommunizieren, extrem irritierend sein.

Tipp: Übung macht den Meister. Machen Sie sich vor dem Online-Bewerbungsgespräch mit den Besonderheiten eines Videochats vertraut, in dem Sie mit Freunden, Bekannten und Verwandten sprechen. Probieren Sie dabei aus, abwechselnd in die Kamera und das Gesicht des Gegenübers zu schauen. So können Sie Mimik lesen und erwecken bei Ihrem künftigen Chef oder Ihrer künftigen Chefin nicht den Eindruck, dass Sie die ganze Zeit Blickkontakt meiden und verschüchtert nach unten schauen. Holen Sie sich dabei auch Feedback ein. Ein guter Freund kann Ihnen sicher spiegeln, wie Sie auf dem Bildschirm wirken. 

Spieglein, Spieglein auf meinem Bildschirm – Lassen Sie sich nicht ablenken

Auch wenn es verlockend ist, dass man sich in einem Chatfenster die ganze Zeit selbst sehen kann, sollten Sie das im Vorstellungsgespräch unbedingt vermeiden. „Wir werden in Video-Calls ständig damit konfrontiert, wie wir auf andere wirken“, sagt der Tübinger Rhetorik-Professor Olaf Kramer in der September-Ausgabe des Magazins Zeit Wissen. Dies führe zu Ablenkung und Unkonzentriertheit. „Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf mich selbst und mein eigenes Bild richte, ist es für mich natürlich schwerer, mit den Gedanken beim Thema zu bleiben“, so Kramer. In einer Bewerbungssituation sind viele Menschen ohnehin nervös. Es kann vorkommen, dass man eine Frage falsch versteht, weil man kurz mit den Gedanken ganz woanders ist. Indem Sie sich dazu auch noch von Ihrem eigenen Spiegelbild ablenken lassen, erhöhen Sie die Chance, den Faden zu verlieren oder etwas misszuverstehen.

Tipp: Schauen Sie Ihr eigenes Bild vor dem Gespräch an, kontrollieren Sie den Ausschnitt, den Hintergrund und die Entfernung zum Bildschirm und schließen Sie dann das Fenster komplett. So werden Sie während der Unterhaltung nicht von Ihrer Frisur oder dem nervigen Pickel auf der Nase abgelenkt. In einem Bewerbungsgespräch vor Ort hätten Sie auch keinen Spiegel auf dem Schreibtisch stehen und PersonalerInnen verzeihen Ihnen sicher eher eine widerspenstige Haarsträhne oder eine Hautunreinheit als einen unkonzentrierten, abgelenkten Eindruck. 

Ablenkungen weiter minimieren: Finger weg von Suchmaschinen 

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Tipp: Schließen Sie – außer dem Chatfenster – alle Websites, Suchmaschinen oder Dokumente. Wenn Sie mal etwas nicht wissen, verlieren Sie nicht die Nerven. Geben Sie offen zu, dass Sie zum Beispiel nicht mehr genau im Kopf haben, in welchem Jahr das Unternehmen gegründet wurde. Machen Sie stattdessen lieber einen Witz, über Ihre Unfähigkeit, sich Zahlen zu merken – solange Sie sich nicht gerade um einen Job im Accounting bewerben. Kleine Wissenslücken wird man Ihnen eher verzeihen als den verzweifelten Versuch, diese durch heimliche Internetrecherche zu verdecken.  

Pannen und Störungen vermeiden und im Zweifel offen ansprechen

Auch wenn Sie Ihre Software, ihre Kamera und das Mikrofon vorab in Gesprächen mit FreundInnen erprobt haben, kann im Ernstfall natürlich trotzdem etwas schief gehen. Beugen Sie vor, so gut es geht. Wenn Sie wissen, dass in Ihrem Haushalt öfter mal das Internet streikt, suchen Sie vorab nach einer Alternative. In Corona-Zeiten kann da leider kein Arbeitsplatz im Café herhalten, aber vielleicht haben Sie Bekannte, die Ihnen für eine Stunde Ihr Arbeitszimmer und eine starke Netzverbindung zur Verfügung stellen. Bitten Sie ansonsten Familienmitglieder oder MitbewohnerInnen, für den Zeitraum Ihres Gespräches möglichst keine Serien zu streamen oder größere Daten aus dem Netz runterzuladen.

Darüber hinaus sollten Sie für eine möglichst geräuschfreie Umgebung sorgen. Bitten Sie auch dafür die anderen Personen im Haushalt und gegebenenfalls Ihre direkten Nachbarn um Ruhe und schließen Sie unbedingt die Fenster.

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Tipp: Wenn die Internetverbindung doch mal kurz streikt, der Paketdienst klingelt, nebenan ein Hund bellt oder die Nachbarstochter plötzlich entscheidet, Geige zu üben: Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen und sprechen Sie im Zweifel Probleme klar an. Wenn Sie aufgrund eines Störgeräusches eine Frage nicht verstanden haben, bitten Sie Ihr Gegenüber einfach diese zu wiederholen. Die PersonalerInnen wissen, dass Sie zuhause sind und haben mit Sicherheit Verständnis, das auch mal was schief gehen kann. Schlimmer wäre, so zu tun als sei nichts gewesen und dann auf eine Frage nicht entsprechend zu antworten. 

Ein gelungener optischer Eindruck

Auch wenn Sie Ihre eigenen Vierwände für das Vorstellungsgespräch nicht verlassen müssen: Kleiden Sie sich trotzdem so, als würden Sie persönlich erscheinen. Es mag verlockend sein, sich nur ein Hemd anzuziehen und in Jogginghose und Turnschuhen am Laptop zu sitzen. Sie werden sich aber sicherer und professioneller fühlen, wenn Sie von Kopf bis Fuß seriös aussehen. 

Nehmen Sie sich auch Zeit, den Bildausschnitt zu wählen. Im Hintergrund sollte nichts zu sehen sein, was unnötig ablenkt oder einen unaufgeräumten, unprofessionellen Eindruck vermittelt. Ein ordentlich sortiertes Bücherregal kann eine gute Wirkung haben, eine Wand voller Poster und privater Bilder eher nicht. Wählen Sie im Zweifel einen neutralen, weißen Hintergrund. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie nicht zu nah und nicht zu weit entfernt vom Bildschirm sitzen. Ihr Oberkörper sollte im Idealfall gut zu sehen sein, damit Ihre GesprächspartnerInnen auch etwas von Ihrer Gestik mitbekommen.

Tipp: Wenn Sie ein Tool oder einen Online-Dienst verwenden, den Sie sonst auch privat nutzen, checken Sie vorab Ihr Profil. Ein Profilbild, dass Sie mit Sangria-Eimer am Strand zeigt, sollten Sie unbedingt gegen Ihr aktuelles Bewerbungsfoto austauschen. Prüfen Sie auch noch mal Ihren Status und persönliche Informationen auf ihre Angemessenheit. Wenn Sie bisher einen lustigen Phantasienamen verwendet haben, um mit FreundInnen zu chatten, sollten Sie diesen unbedingt gegen Ihren Vor- und Nachnamen austauschen.

Gute Vorbereitung zahlt sich aus – online sowohl als offline

Neben den oben erläuterten Besonderheiten, die Sie in einem Videochat beachten sollten, gelten bei Online-Bewerbungsgesprächen im Prinzip dieselben Regeln, wie in der analogen Welt. Nehmen Sie sich vorab ausreichend Zeit, um sich auf mögliche Fragen vorzubereiten und sich umfangreich über das Unternehmen zu informieren. Lesen Sie dafür auch unseren Artikel zum Thema Motivationsschreiben

Für das Gespräch selbst sollten Sie Ihre Stärken und Schwächen sowie Ihren eigenen beruflichen und persönlichen Werdegang gut kennen und erklären können. Lücken im Lebenslauf, eine abgebrochene Berufsausbildung oder der Wechsel eines Studienganges sind keine Ausschlusskriterien. Stellen Sie sich aber drauf ein, von den PersonalerInnen danach gefragt zu werden. Wenn Sie sich vorab gute Antworten zurechtlegen, geraten Sie nicht in Erklärungsnot. Betonen Sie lieber, wie mutig es von Ihnen war, ein Studium oder eine Ausbildung, welche sich als untauglich erwiesen haben, vorzeitig abzubrechen, um etwas zu tun, was viel mehr Ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht. Das AMS hat auf seiner Website einen ganzen Katalog von Fragen zusammengestellt, auf die BewerberInnen sich in Gesprächen einstellen können. 

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